Stress mit dem Chef – was Sie sofort unternehmen können, um den Konflikt zu lösen

Wenn Ihr Chef sich Ihnen gegenüber „komisch“ verhält, sein Benehmen sich Ihnen gegenüber verändert hat oder er Ihnen zunehmend weniger Wertschätzung entgegenbringt, liegt das nicht immer nur am Chef. Manchmal hat auch Ihr Verhalten etwas damit zu tun. Plötzlich haben Sie Stress mit dem Chef, obwohl Sie sich keiner Schuld, keines Fehlverhaltens bewusst sind. Und tatsächlich – es geht dabei gar nicht um Schuld oder Fehler, sondern um die ganz alltäglichen Probleme nicht gelungener Kommunikation.

Plötzlich hatte ich ein Problem mit meinem Chef

In meinem ersten „richtigen“ Job nach dem Studium arbeitete ich an einem besonders wichtigen Thema sehr eng zusammen mit meinem Chef. Wir waren so eine Art „Dreamteam“, zumindest erschien es mir so. Er war der Chef, er wusste mehr und konnte an speziellen Schnittstellen viel bewegen. Und ich konnte neue Ideen einbringen, eine neue Art der Außenkommunikation, und ging mehr oder weniger noch unbewusst, weil unerfahren, ganz neue Wege. Der Erfolg war außergewöhnlich.

Aber dann passierte es. Einige Monate später wurde mein Chef, mit dem ich doch eben noch so grandios zusammengearbeitet hatte, auf einmal komisch. Einen anderen Ausdruck hatte ich damals nicht dafür. Und vor allem hatte ich nicht die geringste Ahnung, was los sein könnte.

Missverständnisse mit dem Chef erkennen und vermeiden

Erst viel später fand ich heraus, was dafür mindestens eine Ursache war, die mit mir zu tun hatte. Zu der damaligen Zeit hörte mein Chef bei Themenbesprechungen auch im Team häufig ein „Ja, aber“ von mir. Damit wollte ich meinem Chef nicht kritisieren. Das „Ja, aber“ entsprang eher spontan dem Bedürfnis, seine Ausführungen mit Blick auf meine spezifische Arbeit an der Sache im Detail zu ergänzen. Mein Chef jedoch verstand meinen vermeintlichen Widerspruch als implizite Kritik an seiner Kompetenz. Und als mangelnden Respekt vor seiner Person.

Das erkannte ich aber nicht. Ich respektierte meinen Chef doch, bewunderte seine Kompetenz und schätzte und mochte ihn auch als Person.

In Wahrheit hatte ich so etwas wie „Ja, und dann sollten wir auch dies oder das noch berücksichtigen“, gemeint. Das klingt anders, oder? Übrigens auch in den Ohren des Teams.

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, mein Chef habe zu wenig Selbstvertrauen gehabt und sei keine gute Führungskraft gewesen, die mit solchen Situationen doch souveräner umgehen sollte. Das sei doch schließlich die Aufgabe einer Führungskraft.

Grundsätzlich teile ich diese Auffassung. Führungskräfte sollten sich in allem weiterbilden, was dazu dient, eine souveräne und sehr gute Führungskraft zu werden. Aber die Realität sieht eben oft anders aus. Und in der konkreten Situation hilft diese Haltung leider nicht weiter.

Im Teufelskreis – so entstehen Konflikte mit dem Chef

Das Spannende war: Immer, wenn es wieder einmal um unser gemeinsames Projekt ging, in das er selbst konkret involviert war, lief unsere Zusammenarbeit wieder reibungslos. Als Coach würde ich mich heute fragen: Was habe ich bei diesem Projekt anders gemacht als bei den anderen?

Die Antwort wäre wohl: Ich habe mich bei den anderen Projekten meinem Chef gegenüber anders verhalten. Trug ich dabei doch gefühlt nun ganz allein die Verantwortung für den Erfolg. Und diese Projekte waren nicht annähernd so erfolgversprechend wie unser gemeinsames Thema. Aus Unerfahrenheit, Unsicherheit und der Befürchtung heraus, nicht die gewünschte Leistung erbringen zu können, wollte ich mich also so weit wie möglich absichern. Diese Unsicherheit führte bei mir zu einem „Ja, aber“.

Auch meine nonverbale Kommunikation sprach vermutlich Bände, mein Stirnrunzeln und das Hochziehen der Schultern konnten leicht als grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber den Ideen meines Vorgesetzten interpretiert werden. Und auf einmal war ich mit meinem Chef in einer Art Teufelskreis aus verbaler und nonverbaler Kommunikation gefangen – unser Arbeitsverhältnis wurde immer belasteter, und er verhielt sich zunehmend gereizter und ablehnender mir gegenüber.

Das Teufelskreis-Modell nach Schulz von Thun

Das Teufelskreis-Modell nach Schulz von Thun

Viele, vielleicht sogar alle Konflikte entfalten sich nicht anhand eines klaren Interessenkonflikts, sondern ergeben sich durch gegenseitige Missverständnisse, bei denen Gefühle und Bedürfnisse als Verurteilungen und Forderungen interpretiert werden.

Bereits Epiktet, ein antiker Philosoph, in dessen Ethik die innere Freiheit und moralische Autonomie des Menschen im Mittelpunkt standen, wusste: „Nicht die Tatsachen machen das Leben schwer, sondern unsere Bewertung dieser Tatsachen“.

Was können Sie also tun, um das Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten wieder zu verbessern? Oder was, um es gar nicht erst zu der Entstehung eines Teufelskreises kommen zu lassen? Einen Versuch ist das allemal wert.

Konflikt lösen mit wertschätzender Kommunikation dank Empathie

Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, verweist auf vier Reaktionsmöglichkeiten, wenn Sie eine negative Äußerung hören oder Ihnen ein missbilligendes Verhalten begegnet. Ich benutze für diese Art der Kommunikation übrigens gern die alternative Bezeichnung „wertschätzende Kommunikation“.

Wenn Ihr Chef sich also komisch, wenig wertschätzend oder sogar respektlos Ihnen gegenüber verhält, können Sie

  1. sein Verhalten persönlich nehmen, es also als Vorwurf und Kritik verstehen und sich selbst die Schuld dafür geben, weil Sie offenbar einen Fehler gemacht oder sich falsch verhalten haben.
  2. Sie können Ihrem Chef die Schuld geben, weil er Ihrer Ansicht nach falsch handelt, und durch Ihre Reaktion oder Ihre Worte Ihren Ärger zeigen, weil Sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Zusätzlich haben Sie aber noch zwei weitere Möglichkeiten, bei denen Ihre Empathie Ihnen behilflich sein kann.

  1. Sie können sich auf die Suche nach Ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen machen. Dann reagieren Sie nicht mehr blind aus einem alten Muster heraus, sondern werden sich bewusst, dass Ihr Gefühl, das durch das Verhalten Ihres Chefs ausgelöst wurde, möglicherweise aus Ihrem nicht erfüllten Bedürfnis nach Anerkennung und Respekt entsteht.
  2. Und wenn Sie so weit sind, dann können Sie auch die vierte Reaktionsmöglichkeit anwenden: Mit ihr ziehen Sie in Betracht, dass Ihr Chef auch nur ein Mensch ist. Sie können sich fragen: Welche aktuellen Gefühle und Bedürfnisse stecken denn hinter seinem Verhalten? Es ist wahrscheinlich, dass er ganz ähnliche Bedürfnisse hat wie Sie. Aber auch äußere Umstände könnten eine Ursache sein, dass Ihr Chef gereizter ist als sonst. Forschen Sie nach möglichen Ursachen seines Verhaltens, die nichts mit Ihnen zu tun haben.

Die beiden letzten Möglichkeiten bieten Erkenntnisse, die Ihnen helfen können, den Teufelskreis der Kommunikation zu unterbrechen. Das Bewusstsein und Ihr Verständnis ihrer Gefühle und Bedürfnisse und die Ihres Vorgesetzten sind die besten Voraussetzungen, mit Ihrem Chef ein konstruktives Gespräch über die aktuelle Situation zu führen und zu einer kooperativen Lösung zu gelangen.

Konfliktmanagement – so lösen Sie Stress mit dem Chef erfolgreich auf

Die Zauberworte eines konstruktiven Konfliktmanagements sind Perspektivwechsel, Wertschätzung, Kommunikation und Emotionsregulierung.

Bitten Sie Ihren Chef um ein Gespräch, möglichst dann, wenn sich Ihre Gemüter wieder etwas beruhigt haben. Schildern Sie aus der Ich-Perspektive Ihre Beobachtungen bei der letzten Eskalation. Machen Sie keine Schuldzuweisungen oder Vorwürfe. Bleiben Sie sachlich und wertschätzend. Sprechen Sie an, dass Sie einen Teufelskreis vermeiden wollen und Ihr Ziel bei diesem Gespräch ein wertschätzendes und konstruktives Miteinander ist. Sprechen Sie über Ihre Gefühle und Ihre daraus folgende Reaktion. Achten Sie darauf, dass er Ihr Feedback nicht als Vorwurf oder Anklage versteht. Fragen Sie Ihren Chef, was er von Ihnen brauchen könnte, um zu einer kooperativen Lösung zu kommen.

Nutzen Sie Ihre empathischen Fähigkeiten. Und bedenken Sie: Was andere sagen oder tun, ist vielleicht ein Auslöser für unsere Gefühle – aber es ist nie ihre Ursache. Die Ursache liegt in den eigenen Bedürfnissen. Bleibt also unser Bedürfnis nach Anerkennung und Respekt unbeantwortet, haben wir entsprechend ungute Gefühle. Entscheidend ist nun, wie wir damit umgehen.

Hätte ich damals schon gewusst, was ich heute weiß, hätten mein Chef und ich davon ungemein davon profitieren können.

Was tun, wenn sich trotz Ihrer Mühen keine Lösung abzeichnet?

Stellt sich allerdings heraus, dass Ihre Bemühungen dauerhaft erfolglos sind, weil Ihr Chef ein Narzisst, ein Psychopath oder so unsicher ist, dass Sie zwangsläufig immer in Fettnäpfchen treten werden, dann sollten Sie sich an die Personalabteilung wenden und ernsthaft in Betracht ziehen, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen.

 

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